Homo Faber
Zum Autor
Max Frisch ist ein schweizerischer Schriftsteller, der am 15. Mai 1911 in Zürich geboren ist. Er stirbt 1991 im Alter von achtzig Jahren. Nach Abschluß des Realgymnasiums studiert er Architektur und Germanistik an der Universität von Zürich und arbeitet anschließend als Architekt und Journalist. Das Germanistikstudium schliesst er allerdings nie ab. Seit Ende der fünfziger Jahre widmet er sich ausschließlich dem Schreiben von Büchern. Zusammen mit Friedrich Dürrenmatt gehört er zu den wichtigsten schweizerischen Schriftstellern der Nachkriegszeit.
Eines der frühesten Werke Max Frisch ist "Die Chinesische Mauer", die 1947 veröffentlicht wird. In seinem wohl bekanntesten Werk "Andorra" (1961) geht es um Antisemitismus. Seine letzte Veröffentlichung vor dem Tod ist "Blaubart", die aber nicht mehr auf demselben Niveau der Vorgänger ist.
Es ist wichtig zu wissen, dass Max Frisch 1952 ein Jahr in den USA und in Mexiko verbringt. Vier Jahre später reist er noch einmal in die USA, nach Mexiko und auch Kuba. Im darauffolgenden Jahr (1957) schreibt er "Homo Faber", welches teils in Mexiko und den USA stattfindet. Weitere besuchte Länder im Buch sind Frankreich, Italien, Guatemala und Griechenland. "Home Faber" wird 1991 von Volker Schlöndorff verfilmt, mit Sam Shepard als Hauptrolle.
Auszeichnungen des Autors
Max Frisch gewann während seiner Laufbahn als Schriftsteller viele Preise und Auszeichnungen. 1958 erhält er den Georg-Büchner Preis und 1976 wird er mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Aufbau und Auffälligkeiten
Das Buch wird auf dem Umschlag von Suhrkamp als "Bericht" bezeichnet, was wahrscheinlich auch der treffendste Ausdruck ist. Das Leben von Home Faber wird über einen Zeitraum von ein paar Monaten sehr genau autobiographisch dokumentiert. Manchmal sogar mit Uhrzeit und Datum. Einige dieser Textstellen, machen auch den Eindruck eines Tagebuches, auf Grund des persönlichen Inhaltes. Es ist auffällig, dass im Laufe des Buches sehr oft englische Aussagen einfach als Zitat übernommen werden. "Your attentions please – Passenger Faber, Passenger Faber. Please to the information desk." Weiters gibt es spanische und französische Zitate, diese jedoch nicht oft und ohne große Bedeutung. Manche Teile des Buches sind sehr genau und technisch beschrieben, da sie Home Faber Ingenieur ist, aber alles ist trotzdem einfach und ohne größeren Denkaufwand zu lesen.
Es ist auf jeden Fall zu vermerken, dass das Buch aus zwei großen Teilen besteht. Der erste Teil macht kontinuierlich den Eindruck eines Berichtes mit diversen technischen Details. Es gibt Vor- und Rückgriffe in der Zeit, welche den Leser teils verwirren. Manche Stellen werden geschildert als fänden sie in der Gegenwart und anderen wiederum finden vor dreißig Jahren statt. Der zweite Teil des Buches wird von Homo Faber im Krankenhaus geschrieben, und hat einen persönlicheren Eindruck, gleich einem Tagebuch. Durch die Transformation seines Weltbildes wird dieser Teil, an manchen Stellen sehr persönlich.
Da der gesamte Text immer wieder Sprünge in der Zeit aufweist, ist es manchmal schwer, dem Thema zu folgen. Immer wieder gibt es Bemerkungen, die eigentlich erst später im Text bekannt gegeben und verstanden werden können. z. B.: " … ich wüßte heute noch nicht, dass ich Vater bin." Dieses Zitat befindet sich auf Seite zweiundzwanzig des Buches, wo dem Leser noch lange nicht klar ist, dass Faber tatsächlich eine Tochter hat.
Inhalt
Der schweizerische Ingenieur Walter Faber, wird als "Home Faber" bezeichnet. Faber hat das fünfzigste Lebensjahr bereits überschritten, und hat ein sehr rational orientiertes Weltbild. Es ist technisch ausgelegt und er glaubt nicht an Zufall oder Tod. Diese Einstellung wird durch seinen Flugzeugabsturz in Mexiko und durch den Suizid seines Freundes in Guatemala vorerst nicht erschüttert. Auf einer Schiffsreise verliebt sich ein junges Mädchen in ihn, welches sich später als seine eigene Tochter herausstellt. Sabeth, wie er sie nennt, stirbt in Folge eines Sturzes auf den Kopf, der durch einen Schlangenbiß hervorgerufen wird. Im Krankenhaus trifft Faber seine frühere Jugendliebe, Hanna wieder. Es stellt sich heraus, dass sie ihm verschwiegen hat, dass Sabeth seine Tochter ist. Erst da wird sein rationales Weltbild zerstört, und er sieht auch den Tod ein. Das Buch endet in einem Krankenhaus, wo sich Faber befindet, um heraus zu finden ob er Magenkrebs hat oder nicht. Er ist fest davon überzeugt, aber Max Frisch lässt das Ende offen.
Interpretationshypothese
Home Faber ist anfangs ein rationaler Menschen, der glaubt alles basiere auf Wissenschaft. Das Leben sei vollkommen erklärbar und nichts entstehe aus dem Zufall. Genau diese Einstellung Fabers ändert sich im Laufe des Buches, hervorgerufen durch mehrere Ereignisse. Der Ingenieur sieht dies auch am Ende des Buches ein, und nimmt Zufall und Tod in seine Welt auf. Er scheint Schuld zu empfinden, einen Teil seines Leben verpasst zu haben, und das Leben Hannas zerstört zu haben.
Walter Faber
ist in den mittleren Fünfzigern und arbeitet für eine internationale Firma, für die er zumeist Turbinen einbauen muß. Er hat ein absolut rationales, von Ursache und Wirkung geprägtes, Weltbild. Trotz seines bereits höherem Alters hat er noch immer junge Freundinnen. Ivy, die nur kurz erwähnt wird, ist nur sechsundzwanzig Jahre alt. Es liegt ihm nicht viel an Ivy, und er kennt sie auch kaum. " … anfangs hatte ich sie für eine Tänzerin gehalten, dann für eine Kokotte, beides stimmt nicht – ich glaub, Ivy arbeitete wirklich als Mannequin." Ihm Gegenüber sind Frauen unterlegen, und er sieht sie als "nutzlos" an. " …, dass ich grundsätzlich nicht heirate.", kann diese Einstellung nur verstärken. Später geht er mit diesem Gedanken sogar noch weiter und bezeichnet alle Menschen als "eine Anstrengung". Nachdem seine Tochter von einer Schlange gebissen wird, spricht es ständig von der statistischen Wahrscheinlichkeit von einer Schlange gebissen zu werden und die Chance daran zu sterben. Das spiegelt seine Angst wieder, die er nun entwickelt hat. Er fühlt sich schuldig das Leben seiner Tochter und seiner ehemaligen Frau zerstört zu haben.
Hanna Landsberg
Sie ist deutsche Halbjüdin, und das genaue Gegenteil von ihrem früheren Liebhaber Faber. Auch sie ist bereits im vorgeschrittenen Alter. Sie ist sehr emanzipiert, interessiert und intelligent, ähnlich wie Faber, aber sie glaubt auch an den Tod und Zufall. Gefühle zu zeigen stellt kein Problem für Hanna dar. Es ist ihr vorzuwerfen, dass sie Home Faber die Existenz der gemeinsamen Tochter verschwiegen hat. Sie wollte das Kind vollkommen für sich alleine haben, und Faber nichts davon wissen lassen, da sie damals einen Konflikt in der Beziehung hatten. Weiters glaubt sie daran, dass Männer ihr das Leben "verpfuscht" haben. Ihre einzige Tochter die nur ein Leben hat, ist gestorben, und Hanna selber wird auch kein weiters Kind mehr haben. Nach dem sie Home Faber in der Schweiz kennengelernt hat und sich auch dort von ihm wieder getrennt hat, ist sie nach Griechenland emigriert. Dort lebt sie seit her und arbeitet als Archäologin, und hat ihre Tochter Sabeth aufgezogen.
Elsbeth Landsberg
ist Home Fabers und Hanna Landsbergs Tochter. Wie bereits erwähnt wird sie von Faber immer Sabeth genannt, da er Elsbeth nicht ausstehen kann. Sie hat gerade erst die Schule abgeschlossen, und ist auf der Reise mit einem Schiff von New York nach Europa, als sie das erste Mal Home Faber begegnet. Faber fällt sie sofort auf, aber er weiß nicht wem sie ähnlich sieht. Er hat zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Ahnung, dass er sich mit seiner Tochter trifft. Teils auf Grund ihres Alters ist sie eine junge, interessierte, gefühlsbetonte und lebensfreudige Frau. Die Aussehen zeichnet sich aus durch: "… in schwarzer Cowboy-Hose, … schwarzen Pullover mit Rollkragen, … eine Halskette aus Holz, … Espadrilles … ."
Sabeth und Walter lassen sich während der paarwöchigen Reise in Frankreich, Italien und Griechenland auf eine Affäre ein, welche im Inzest endet.
Wodurch und warum wird Homo Fabers rationales Weltbild zerstört?
Das Buch beginnt mit dem Abflug Fabers in New York. Aufgrund seines Berufes kommt er sehr viel zum Fliegen. In den Fünfzigern ist Fliegen noch nicht so weitverbreitet wie heute und sicher. Faber jedoch fliegt viel und gerne, er kennt sich sogar schon mit den Flugzeugen aus, und vertraut auf die Technologie. " … wie üblich auf dieser Stecke, eine Super Constellation … ." Obwohl ihm die Gefahren einer Notland in der Wüste Mexikos durch aus bekannt sind, verhält er sich überraschend ruhig. Das lässt sich darauf zurückführen, wie genau er die Technik kennt und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass dem Flugzeug tatsächlich etwas passiert.
In der Zeit, die er nach dem Absturz in der Wüste verbringen muß, kennt Faber einen Deutschen lernen, mit dem er später nach Guatemala fährt um seinen alten Freund Joachim zu besuchen, den er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Es gelingt ihnen nur schwer zu der Plantage in den Tropen von Guatemala zu gelangen. Mit Hilfe eines ausgeborgten Land Rovers erreichen sie doch ihr Ziel und finden Joachim erhängt in seiner eher ärmlichen Hütte auf. Trotzdem scheint Faber nicht weiter erschüttert zu sein, er scheint sich mehr mit der Umwelt zu beschäftigen als mit dem Tod seines Freundes. " … es wunderte mich, woher sein Radio, … , den elektrischen Strom bezieht, … ."
Schlußendlich trifft Faber Sabeth, wie bereits angesprochen, auf der Fahrt mit dem Schiff von New York nach Europa. Nach ihrem Tod ist er wirklich deprimiert, und glaubt das Leben Hannas und seines zerstört zu haben. Es ist als ginge ihm ein Licht, und er begreife endlich das es doch Gefühle gibt. Zuvor hat er natürlich auch nicht gewusst, dass er Vater ist. Nach dem Tod seiner Tochter, glaubt er einen Teil seines Lebens vepasst zu haben. Jedenfalls macht er einen positiven Schritt, er beschliesst nämlich mit Hanna weiter zu leben, welche sich diesem Gedanken anschliesst.
Diese drei Punkte: der Flugzeugabsturz in Mexiko, der Suizid seines Freundes und die Tatsache eine Tochter zu haben, lassen Home Fabers rationales Weltbild verschwinden, welches sich durch das Gefühl ersetzt einen Teil seines Leben verschlafen zu haben. " … aber auch Hanna hat nicht ahnen können, dass Sabeth auf dieser Reise gerade ihrem Vater begegnet, der alles zerstört – " Er begreift den Großteil des Lebens als gefühlloser, berechnender und asozialer Mensch verbracht zu haben.
Welche Bedeutung schenken Frauen Homo Faber, und welche er ihnen?
Im allgemeinen ist zu sagen, dass Faber die Frauen verachtet, ihnen nicht viel Aufmerksamkeit schenkt und sie größtenteils als unnötig ansieht. Trotz seines hohen Alters, hat er immer noch junge Freundinnen. Warum, ist eigentlich nicht genau zu beantworten. Dies gibt ihm wahrscheinlich mehr Selbstbewusstsein. Die Überheblichkeit zeigt sich auch in folgender Aussage: " … obwohl ich grundsätzlich nicht heirate." Dieses Zitat findet sich gleich auf der ersten Seite des Buchs. Was sich Frauen selber denken wird im Buch nie behandelt, da alles aus der Sicht Homo Fabers geschrieben ist. Es macht ihn glücklich alleine leben zu können: " … ich genieße es, alleine zu erwachen, kein Wort sprechen zu müssen. Wo ist die Frau, die das begreift?" Besser lässt sich Überheblichkeit und Gleichgültigkeit nicht beschreiben. Er zeigt einfach keine Gefühle.
Die Bekanntschaft mit Sabeth läuft jedoch anders ab. Sie ist anders als jede der anderen Frau die er bis jetzt kennengelernt hat. Sie ist jünger, sehr wißbegierig und schlau, wie Faber analysiert. Trotz der anderen Situation spielt Homo Faber immer noch seine männliche Überlegenheit aus, und hält ihr beispielsweise Vorträge über Turbinen oder kommunizierende Röhren. Auf jeden Fall ist er stolz eine so junge Freundin zu haben, aber auch Sabeth ist glücklich mit Faber zusammen sein zu können. Aus dem Text geht auch hervor, dass beide zufrieden sind. Sabeth ist der größte Anstoß Fabers Weltbild zu verändern, da er mir ihr die meiste Zeit verbringt. Teilweise macht es ihm keinen Spaß und er widersetzt sich auch manchen Aktivitäten. Trotzdem wandelt diese Beziehung Faber in einen "Menschen" mit Ängsten und Gefühlen um.
Bezug auf die Zeit der Veröffentlichung
Der Bericht "Home Faber" wurde zu einer Zeit veröffentlicht, als es viele technologische Erneuerungen im Leben der Menschen gab. z. B.: Antibiotika, Kernenergie und die Raumfahrt. Wie bei allem neuen gibt es immer Befürworter und Gegner, und Max Frisch zählt zu letzterem. Es kann also auch durch aus sein, dass Max Frisch mit diesem Buch seinen Widerstand gegen den technologischen Fortschritt ausdrücken wollte.
Meine persönliche Meinung
Die Aufenthalte Home Fabers in Teilen Mexikos und in den USA haben mir sehr gut gefallen. Sie werden sehr detailliert und wahrheitsgetreu beschreiben. Da ich selber schon an den Orten war, die in Mexiko beschrieben werden, ist es ein sehr interessanter Vergleich. Das Buch wurde in den Fünfzigern geschrieben und stellt die Städte in Mexiko als schrecklich klein und zurückgeblieben dar. Heute ist dies natürlich nicht mehr der Fall, aber es war auf jeden Fall interessant darüber zu lesen.
Home Fabers Wandel hat sicher einen Bezug auf die Gegenwart. Es gibt immer mehr Menschen die sich von ihrer Umwelt abschirmen. Der Computer, eine Einrichtung die es damals noch nicht gegeben hat, trägt sicher wesentlich dazu bei. Trotzdem ist es sicher nicht schlecht, neuen Technologien gegenüber offen sein.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Ich war von Anfang an interessiert und es ist mir nicht schwer gefallen es zu Ende zu lesen.
Konklusion
Home Faber ist ein erfolgreicher Ingenieur, der bei Frauen sehr viel Anklang findet. Er nutzt dieses aus, aber eigentlich hat er immer nur oberflächliche Beziehungen, mit Frauen als auch männlichen Freunden. Nach den drei, für Home Faber eher statistisch unwahrscheinlichen Hergänge, der Flugzeugabsturz, der Selbstmord seines Freundes und der Tod seiner eigenen Tochter, ist er zu einem anderem Menschen geworden. Er glaubt einen Teil seines Lebens verpasst zu haben, und das Leben eines anderen zerstört zu haben. Plötzlich scheint er auch überzeugt zu sein, Magenkrebs zu haben. Früher hat er das sicher auch anhand Statistik abgestritten. Am Ende hat Zufall und Tod doch Platz im Leben des Homo Fabers gefunden.
Biografie des Autors
Friedrich Dürrenmatt, der Sohn des Pfarrers Reinhold D. und dessen Ehefrau Hulda, geborene Zimmermann, wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen bei Bern geboren. Er besuchte bis 1935 die Sekundarschule in Großhöchstetten, danach das Gymnasium und das Humboldtianum in Bern. Nach der Matura studierte er Philosophie in Zürich und Bern. 1945 erschien seine erste Publikation "Der Alte". Ein Jahr später heiratete er die Schauspielerin Lotti Geissler. Sein Sohn Peter kam im nächsten Jahr zur Welt, seine Töchter Barbara und Ruth 1949 beziehungsweise 1951. 1948 zog er nach Ligerz am Bielersee. "Der Richter und sein Henker" erschien 1950 in Fortsetzungen für die Zeitschrift "Der Schweizerische Beobachter". Im folgenden Jahr erschien dann "Der Verdacht". 1952 zog er nach Neuchâtel in sein eigenes Haus. 1959 erhielt er in Mannheim den Schillerpreis und 1974 eine Ehrenprofessur des Staates Israel. 1978 kam Maximilian Schells Verfilmung von "Der Richter und sein Henker" in die Kinos. Dürrenmatts Frau starb im Januar 1983. Ein Jahr später heiratete er die Filmemacherin, Schauspielerin und Journalistin Charlotte Kerr. Ein interessantes Detail aus dem gleichen Jahr: Er benutzte die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille dazu, Zuckmayers Werke für "Scheiße" zu halten. Friedrich Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 in seinem Haus in Neuchâtel an einem Herzinfarkt. Seinen literarischen Nachlass hat er der Eidgenossenschaft zur Bildung eines "Schweizer Literaturarchivs" geschenkt.
Zum Werk
In diesem Kriminalroman geht es nicht darum, herauszufinden wer der Mörder ist, sonder vielmehr darum, ob und wie Bärlach aus der Falle kommt. Das Werk stammt aus der Epoche der Moderne. 45575duh11pmq3i
Das Werk weist viele Parallelen zum Werk „Der Richter und sein Henker“ auf. Das umfasst Personen, Ort und Zeit. Selbst die Krankheit, die Bärlachs wirken in „Der Richter und sein Henker“ unter Druck setzte, ist in diesem Werk wieder gebraucht.
Gattung des Werkes
Bei diesem Kriminalroman in zwei Teilen handelt es sich um epische Prosa des späten 20. Jahrhunderts.
Nähere Angabe
Dürrenmatt erzählt diese Komödie aus der Sicht eines auktorialen Erzählers. Der Text ist geprägt von direkten und indirekten Reden. Jede der Hauptfiguren hat zumindest einmal die Möglichkeit seinen Standpunkt ausführlich darzustellen.
Literat- Werk Beziehung
Diese Handlung passiert in Dürrenmatts Heimat. Im Salem- Spital, in dem der Kommissär operiert wurde, war Dürrenmatts Vater Seelsorger.
Im Kontext des Romans nennt Bärlach den Dr. Emmenberger einen Nihilisten. Das weist Emmenberger entschieden zurück. Auch Dürrenmatt hat sich immer dagegen gewehrt ein Nihilist genannt zu werden.
Inhaltsangabe
Bärlach liegt nach einer erfolgreich verlaufenen Operation im Berner Salem Spital. Der ihm persönlich bekannte Doktor Hungertobel ist bei ihm. In einer alten Ausgabe der Zeitschrift "Life" findet er das Bild des KZ-Arztes Nehle. Hungertobel erschrickt. Er meint in diesem Bild den Vorsteher einer Schweizer Nobelklinik, Dr. Emmenberger, zu erkennen. Bärlachs Neugier ist damit geweckt, ein Verdacht ist aufgekommen.
Hungertobel versorgt Bärlach mit alten medizinischen Zeitschriften. Emmenbergers "Alibi", ein Chile Aufenthalt während des Nazi Regimes, scheint zu stimmen. Nur der Stil seiner in Chile veröffentlichten Artikel stimmt nicht mit seiner genialen Art überein, die ihm sonst nachsagt wird Damit erhärtet sich Bärlachs Verdacht, dass Emmenberger und Nehle vor und nach der Nazi Zeit ihre Rollen getauscht haben. Bärlach erfährt von einem Kollegen, dass Nehle 1945 durch Selbstmord gestorben ist. Von einen riesenhaften Juden, nach dem Bärlach geschickt hat, erfährt er von Nehles grausamen Operationen an Menschen bei vollem Bewusstsein.
Bärlachs Neugier ist endgültig geweckt. Er will unter falschem Namen in Emmenbergers Klinik verlegt werden. Vorher aber lässt er durch den Verleger Fortschig noch einen Zeitungsartikel erscheinen, der Emmenberger provozieren soll. Im Spital angekommen drängt Bärlach auf ein erstes "Verhör" Emmenbergers bei der anfänglichen Untersuchung. Emmenberger und Bärlach bedrohen sich gegenseitig mit Doppeldeutigkeiten. Bärlach wird für fünf Tage durch eine Insulinkur ausgeschaltet. Er realisiert, dass er in Emmenbergers Gewalt ist. Auch für Fortschig kommt jede Hilfe zu spät. Er ist bereits einem Mordanschlag zum Opfer gefallen.
Emmenberger erscheint persönlich, um Bärlach die bevorstehende Stunde seines Todes anzukündigen. Er trägt Bärlach sein Glaubensbekenntnis vor und ist bereit Bärlach freizulassen, wenn dieser auch an etwas so fest glauben kann wie er. Bärlach aber schweigt. Selbst als Emmenberger dem ebenfalls bedrohten Hungertobel das Leben verspricht. Bärlach bleibt nichts mehr zu tun, als dem qualvollen Ticken der Uhr bis zur Stunde seines Todes zuzuhören.
Als es soweit ist, erscheint aber nicht Emmenberger, sondern Gulliver. Gulliver hat Bärlach seit dem Besuch im Salem nicht mehr aus den Augen gelassen. Nun hat er Emmenberger seiner gerechten Strafe zugeführt. Man wird auch bei ihm einen Selbstmord durch Gift feststellen. Der von Emmenberger vorgetäuschte Selbstmord Nehles ist gerächt. Gulliver verabschiedet sich und verlässt den Raum durchs Fenster. Hungertobel, der mit Gulliver gekommen ist, nimmt Bärlach wieder in Empfang, um ihn für sein letztes Lebensjahr nach Bern zurückzuführen.
Charakteristik der Hauptpersonen
Kommisär Bärlach: Ein Krebskranker Kommisär der Berner Polizei der Kurz vor seiner Pensionierung steht. Er hat gerade eine Operation hinter sich und noch ungefähr ein Jahr zu leben. Abgemagert fristet er sein Dasein. In seinem Verdacht erkennt er die letzte sich ihm bietende Möglichkeit sich selbst noch einmal zu beweisen. Doch er versagt.
Dr. Emmenberger: Er beendet sein Studium sehr gut und wandert offiziell 1932 nach Chile aus. Während dieser Zeit werkt er als KZ Arzt in Stutthof. Als unbescholtener Bürger in die Schweiz zurückgekehrt, gründet er in Zürich eine Privatklinik, mehr eine Sterbeklinik, für Reiche. Von seinen Freunden wird schon während seines Studiums ein Hang zum Sadismus festgestellt. Diesen lebt er auch weiterhin in seinem Sanatorium aus.
Hungertobel: Er ist der Arzt Bärlachs im Salem Klinikum. Er ist derjenige der Bärlach bei seinen Recherchen unterstützt, aber zur gleichen Zeit nicht glauben kann, dass Emmenberger ein sadistischer Mörder ist. Auch privat ist Hungertobel ein Freund Bärlachs.
Gulliver: Er ist eine Riesengestalt mit kahlem Kopf und edlen Händen. Der Jude ist gezeichnet durch die Narben, die er in der Nazizeit zugefügt bekommen hat. Gulliver übersteht im KZ eine von Emmenbergers Operationen, gilt aber als offiziell Tot. So lebt er, dem Alkohol verfallen, in dunklen Kellern und kommt nur während der Nacht hervor. Er ist es, der den Verdacht Bärlachs bestätigt und ihn zu neuen Taten bekräftigt.
Fortschig: Ein heruntergekommener, kleiner, dürrer Kerl, dessen Hals immer ein gelber Schal schmückt. Er ist der Redakteur der mit niedrigen Auflagen herausgegebenen Zeitung „Apfelschuß“. Für wenig Geld erfüllt er Bärlach den Gefallen, einen Artikel in seine Zeitung aufzunehmen.
Weitere Werke
Der Verdacht
Die Panne
Das Versprechen um575d5411pmmq
Die Justiz
Durcheinandertal
Der Auftrag oder vom Beobachten des Beobachters der Beobachter
Die Novelle
Die Novelle ist eine kürzere Erzählung, die durch prägnante Struktur, dezidierten Kunstwillen und einen strengen Aufbau gekennzeichnet ist. Der Begriff stammt aus dem Italienischen und ist erst seit dem 18. Jahrhundert im Deutschen gebräuchlich. Ohne einen Vorläufer in der Antike bildet sie eine der ersten modernen literarischen Formen. Ihre Entstehung ist eng mit der sich emanzipierenden Bürgerwelt verbunden. Die Gesellschaft stellt sich in der Novelle selbst dar. Traditionellerweise lauscht das Publikum in einer Rahmenerzählung einer Geschichte, die ein fiktiver Erzähler aus seiner Mitte in Form der Binnenerzählung vorträgt. (vg) Diese Rahmenstruktur trägt wesentlich zur geschlossenen Form der Novelle bei, aber auch zu einer spezifischen Perspektive, da das Erzählte aus der Distanz objektiviert erscheint und auch belehrend reflektiert werden kann. Diese Geschlossenheit wird aber bei rahmenlosen Novellen gewahrt. Formal sind hier ebenfalls eine erzählerische Einsträngigkeit, das Fehlen abschweifender Episoden und ein recht
kontinuierlicher Zeitablauf kennzeichnend.
Vorbilder:
Boccaccios Decamerone (Italien, 14. Jahrhundert) und die Novelas ejemplares von dem Spanier Cervantes (17. Jahrhundert).
In Deutschland begann Goethe mit seiner Novelle diese Literaturform; Kleist, Tieck, E.T.A. Hoffmann und andere schrieben auch Meisterwerke der Novellistik. Goethe definierte die Novelle als "eine sich ereignete, unerhörte Begebenheit" ("the happening of a startling occurance," in other words, a novella shows the reader a startling occurance happening.)
Im Jahre 1871 übernahm P. von Heyse Goethes Ideen in seiner "Falkentheorie". In dieser Theorie zu der Novelle sagte er, daß diese Literaturform ein zentrales Objekt oder eine zentrale Begebenheit brauchte. (Er nannte seine Theorie die "Falkentheorie" nach einer Novelle von Bocaccio in der Decamerone", in der ein Mann die Liebe einer Frau dadurch gewinnt, dass er sein Lieblingstier, einen Falken, tötet und ihr zum Essen gibt.)
Man kann etwas besser verstehen, was eine Novelle ist, wenn man sie mit den meisten Romanen vergleicht. Romane geben ein großes Bild einer Epoche und versuchen oft, ganze Leben zu zeigen. Die Novelle zeigt nur Einzelsituationen4 aus dem Leben, die für die Menschen in diesen Situationen eine Schicksalswende bedeuten.
Charakteristiken der Novelle:
Oft sind nicht die Personen, sondern was ihnen passiert, in einer Novelle wichtig.
Die Novelle hat keine längere Exposition, Beschreibungen oder Reflexion; sie ist, wie ein Drama, straff und zielstrebig komponiert.
Es gibt eine wichtige, konflikthaltige Begebenheit, die sich in der Wirklichkeit abspielen könnte.
In Prosa geschrieben.
Ereignisse beruhen auf einem zentralen Konflikt.
kürzer sind als ein Roman, keine Nebenhandlungen und nur wenige Hauptfiguren (=Protagonisten) haben.
Die Handlung konzentriert sich auf ein plötzliches, krisenhaftes Ereignis, durch welches der Lebensweg des Protagonisten eine schicksalshafte Wendung erfährt.
Die Struktur der Novelle ist der des Dramas ähnlich: Exposition – Hinführung zur – Krise – Verzögerung – Lösung/Katastrophe (Zur Vertiefung siehe auch Aristoteles ‘Poetik’)
DAS VERSPRECHEN
Das Versprechen – von Dürrenmatt Requiem auf einen Kriminalroman genannt – wurde unter dem Titel Es geschah am hellichten Tag mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe in den Hauptrollen verfilmt. Allerdings weicht die Filmhandlung von der Handlung im Buch stark ab, da der Autor die Filmerzählung als Vorfassung des Romans benutzte, die er später wieder überarbeitete.
Das Versprechen handelt vom Schicksal eines hochbegabten Kriminalkommissars, dem ein Mord und seine Aufklärung zu einem Prüfstein für seine menschliche Existenz wird.
Eigentlich sollte sich Kriminalkommissar Matthäi, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt ist, zum Flug nach Jordanien fertigmachen, um dort ein ehrenvolles Amt zu übernehmen. Im Begriff, seinen Schreibtisch aufzuräumen, erreicht ihn ein Anruf aus Mägendorf, einem kleinen Nest in der Nähe vom Zürich: ein ihm bekannter Hausierer teilt ihm mit, er habe im Wald die Leiche eines Mädchens gefunden.
Matthäis Abflug ist in drei Tagen fällig, aber er fährt nach Mägendorf und findet das Mädchen, von einem unbekannten Verbrecher mit einem Rasiermesser grausam verstümmelt. Und er verspricht den erschütterten Eltern des Gritli Moser bei seiner Seligkeit, nicht zu rasten, bis er den Untäter entlarvt hat.
Die Mägendorfer halten den Hausierer von Gunten für den Täter. Nur mit Mühe kann Matthäi ihn in letzter Minute vor ihrer Lynchjustiz retten – aber nicht vor dem Zugriff seiner Kollegen, die den Fall einfach und schnell lösen möchten.
Unter dem Druck des Verhörs legt von Gunten ein Geständnis ab; erhängt sich aber wenig später in seiner Zelle.
Matthäi glaubt nicht an seine Schuld und will sein Versprechen halten, selbst wenn er dabei seine Existenz aufs Spiel setzt. Er läßt den Flug nach Jordanien platzen und kümmert sich, gegen den Willen seiner Vorgesetzten, um die Aufklärung des Falles. Matthäi ist überzeugt, daß der Mörder des Kindes (es gab auch noch zwei weitere Mordfälle in den Kantonen Schwyz und St. Gallen in gleicher Art) noch frei herumläuft und andere Kinder in Gefahr sind.
Er muß seine Recherchen jedoch privat führen, denn für die Polizei gilt der Fall als abgeschlossen.
Matthäi beginnt seine Ermittlungen in der Schulklasse des Gritli Moser. Dort stellt sich heraus, daß Gritli ihrer besten Freundin von einem Riesen erzählte, der ihr kleine Schokoladeigel schenkte. Auch eine Zeichnung von Gritli hängt noch in der Klasse. Ein Riese, ein großes, schwarzes Auto, die Schokoladeigel und ein seltsames Tier mit Hörnern sind darauf zu sehen. Matthäi spricht mit einem Psychiater über diese Kinderzeichnung. Der Kommissär hält den Riesen für den Mörder. Der Nervenarzt hält es durchaus für möglich, daß ein kranker Mann mit einem Haß auf Frauen diese grauenvollen Morde begangen haben könnte. Als Matthäi nach langen Studien im Zoo das Tier mit Hörnern auf Gritlis Zeichnung als Steinbock identifiziert – der Steinbock ist das Wappentier Graubündens – mietet er sich dort eine heruntergekommene Tankstelle und betätigt sich als Tankwart. Für den Haushalt engagiert er eine Frau mit einem Kind, das große Ähnlichkeit mit den drei ermordeten Mädchen hat. Vor der Tankstelle stehen viele Kinderspielsachen.
So will Matthäi auf den Mörder warten. Eines Tages muß er vorbeikommen mit einem großen, schwarzen Auto. Er ist überzeugt, daß der Mörder öfters die Strecke Graubünden-Zürich fährt. Die kleine Annemarie, Tochter von Frau Heller, soll als Köder dienen.
Matthäis ehemaliger Chef kommt öfters bei der Tankstelle vorbei. Er bietet Matthäi an, wieder in seine frühere Stellung zurückzukehren. Dieser lehnt jedoch ab. Er wartet weiter. Unerbittlich, hartnäckig, leidenschaftlich. Jeder Kunde, der sich mit dem kleinen Mädchen unterhält, wird von ihm beobachtet. Jede auffällige Autonummer notiert.
Nach den großen Ferien erwischt Matthäi Annemarie einmal mit Schokoladetrüffel am Waldrand sitzend. Sie hat die Schule geschwänzt und nach hartnäckigem Schweigen erzählt sie endlich, daß sie auf den Zauberer warte.
Matthäi kann sich nur mit Mühe beherrschen. Er sieht sich seinem Ziel nahe. Sein ehemaliger Chef organisiert eine totale Überwachung des betreffenden Waldstücks. Annemarie geht jeden Tag dort hin und wartet auf den Zauberer.
Doch dieser kommt nicht. Nach einiger Zeit wird die Aktion abgeblasen. Der Kommandant, der Staatsanwalt, alle sind wütend. Nur Matthäi nicht. Er wartet weiter.
In den folgenden Jahren ereignet sich kein neuer Mord. Matthäi verkommt, trinkt. Die Tankstelle wird zum Treffpunkt zwielichtiger Gestalten. Der Kommandant fährt immer wieder auf ein paar Worte bei Matthäi vorbei.
Eines Tages wird der Kommandant durch den Anruf eines Geistlichen in eine Privatklinik gebeten. Eine sterbende Frau möchte ihr Gewissen befreien. Sie stammt aus wohlhabender Familie, ihr Mann stirbt bald. Sie heiratet daraufhin ihren Chauffeur und Hausmeister Albert, der um Jahrzehnte jünger ist. Regelmäßig schickt sie ihn mit dem Auto – einem alten schwarzen Amerikaner – nach Zürich. Nach und nach fällt ihr die krankhafte Veränderung seines Verhaltens auf. Bis sie dann blutverschmierte Kleidung und das Rasiermesser findet. Aus Zeitungsberichten weiß sie von den Morden an den Mädchen. Sie verdächtigt ihn sofort und er gibt die Morde ihr gegenüber auch zu. Aus Rücksicht auf ihre Familie schweigt sie jedoch, auch dann, als ihr Mann bei einem Autounfall ums Leben kommt. Jetzt möchte Frau Schrott jedoch die Wahrheit sagen.
Der Kommandant eilt zur Tankstelle Matthäis. Vielleicht kann er noch etwas retten. Doch es ist zu spät. Doktor Matthäi sitzt trotz der Kälte in seinem Monteuranzug auf seiner Bank, raucht, stinkt nach Absinth.
Die Worte des Kommandanten erreichen ihn nicht. Er zeigt keinerlei Reaktion.
Das epische Theater
Neben dem sogenannten aristotelischen Drama gibt es dramatische Werke, die anders gestaltet sind und andere Absichten haben.Der Augsburger Bertolt Brecht setzte dem aristotelisch-klassischen Drama einen Dramentypus entgegen, den er „episches Theater" nannte, weil sich das Drama wie ein Roman über Räume und Zeiten erstreckt und Einblick in ein vielschichtiges Geschehen gibt.Das epische Theater ist also ein von Brecht geprägter Terminus zur Kennzeichnung des Theaters des „wissenschaftlichen Zeitalters":Der Zuschauer wird durch illusionsstörende Mittel (Aus-der Rolle-Treten des Schauspielers, Projektion von Zwischentiteln, die die Quintessenz der gespielten Szene und ihre gesellschaftliche Relevanz aufzeigen, Songs, und ähnliches) zum Mitdenken statt zum „Einfühlen" gezwungen. Als distanzierter Beobachter verfolgt er kritisch den Gang der Handlung, die nicht in der Form von dramatisch gebauten und zugespitzten Akten, sondern in einer revueartigen Montage von Einzelszenen dargeboten wird.Da Brecht den Begriff des epischen Theaters später als unzulänglich empfand, verwandte er statt dessen häufig die Bezeichnung „dialektisches Theater".Im epischen Drama treten die Schauspieler bisweilen aus ihren Rollen heraus. Die Technik, dass sich Rollenträger dem Publikum bekannt machen, findet sich allerdings nicht nur bei Brecht, sondern schon in alten Passionsspielen und auch bei anderen modernen Autoren, z.B. bei Jean Anouilh.
Das Lied hat im epischen Theater mehrere Funktionen:1. Es löst die dramatische Form auf.2. Es unterbricht den Gang der Handlung.3. Es hängt innerlich nicht direkt mit dem Fortgang der Handlung zusammen, verweist aber auf ein wichtiges Problem.4. Es bewirkt einen Nachdenkprozeß im Zuschauer.
Der Zuschauer ist in der Regel auf passives und unkritisches Hinnehmen des Dargebotenen, auf Unterhaltung eingestellt.Brecht versucht deswegen, den Theaterbesucher durch seine Technik der Verfremdung des Vertrauten zu überraschen und aufzuschrecken.Die Verfremdung ist im eigentlichen Sinne der von Brecht geforderte und gestaltete Verfremdungseffekt des epischen Theaters, der den Zuschauer desillusionieren und von den Bühnenvorgängen distanzieren soll, um ihn zum kritischen Mitdenken zu veranlassen. Als Verfremdungseffekt wirken z.B. den Handlungsablauf unterbrechende und erläuternde Ansagen und Songs, Umbau auf offener Szene, erzählende Textbänder.Selbstverständliches und Gewohntes soll zu etwas Ungewohntem umgeformt werden. Bei der Aufführung seines zweiten Stücks („Trommeln in der Nacht") wollte Brecht die festlich-feierliche Atmosphäre, die zu Beginn eines Theaterabends herrscht, zerstören, indem er Spruchbänder mit Texten wie „Glotzt nicht so romantisch" im Zuschauerraum aufhängen ließ.Die epische Form des Theaters erzählt den Vorgang auf der Bühne und macht den Zuschauer zum Betrachter, aber weckt seine Aktivität und erzwingt von ihm Entscheidungen. Es vermittelt ihm Kenntnisse und der Zuschauer wird der Handlung gegenüber gesetzt.
Die Parabel
„Der gute Mensch von Sezuan" ist ein Parabelstück. Eine Parabel ist eine epische Kleinform und ist eine einfache metaphorische Erzählung, die dazu benutzt wird, einen erzieherischen Gedanken, eine sittliche Idee oder eine Lebensweisheit sinnfällig zu verdeutlichen.Am Anfang oder Ende der Parabel wird gewöhnlich auf die Beziehung zwischen dem erzählten Vorgang und dem eigentlich gemeinten Gedanken hingewiesen. darin berührt sich die Parabel mit dem Gleichnis, doch enthält die Parabel jeweils eine Geschichte, das Gleichnis hingegen nur einen einzigen Sachverhalt.Die Parabel ist eine lehrhafte Dichtung, die ähnlich wie die Fabel, eine allgemeine Wahrheit durch eine gleichnisartige Geschichte darstellt.
Das absurde Drama
= absurdes Theater
„Absurd ist etwas, das ohne Ziel ist (…) Wird der Mensch losgelöst von seinen religiösen, metaphysischen und transzendentalen Wurzeln, so ist er verloren, all sein Tun wird sinnlos, absurd, unnütz, erstickt im Keim".(Eugène Ionesco)1
Das absurde Theater ist eine Form des modernen Theaters.Bei dem absurdem Theater ereigenet sich auf der Bühne, in der Gestaltung von Handlung, Figuren und Dialog des Dramas absurdes und auch sind die Dialoge oft in einer absurden Logik abgefasst. Das moderne absurdes Theater will die auswegslose Situation enthüllen, in der sich der moderne Mensch und die Gesellschaft befinden.Es stellt sich mit seinen tragikkomischen, marionettenhaft handelnden, banal und ziellos redenden Figuren und seinen unsinnigen Ereignissen gegen das herkömmliche psyschologische und Illusionstheater.Die Theatermode des absurden Theaters begann nach Vorläufern wie A. Jarry, G. Apollinaire, dem Dadaisten T. Tzara, den Surrealisten A. Artaud, R. Vitrac, dem Volkskomiker Karl Valentin mit E. Ionesco und besonders mit Samuel Beckett.Weitere Vertreter des absurden Theaters, oft nur mit einzelnen Werken, sind die französischen Schriftsteller J. Tardieu, A. Adamov, J. Genet, B. Vian, F. Billetdoux, die englischen Dramatiker H. Pinter, J. Saunders, die nordamerikanischen Schriftsteller E. Albee, A. Kopit, der Spanier F. Arrabal, die Deutschen G. Grass, W. Hildesheimer, H.G. Michelsen.In kommunistischen Ländern richten sich eine dem absurden Theater verwandte, satirische Dramenart auch gegen Absurditäten der totalen Geistes-, Gewissens- und Lebensverplanung, der Sprachregelung und der Bürokratie.Der Ire beckett redet nicht in wohlgesetzten Dialogen über die Sinnlosogkeit des Lebens, sondern er stellt sie auf der Bühne sprachlich und szenisch dar. das Auszusagende und die Form der Aussage stimmen völlig überein. Dialog und Spiel der personen sind sinnlos, haben keine Beziehung mehr.Eine Handlung im Sinn des früheren Dramas gibt es nicht.Dafür vermittelt das Stück Angstvorstellungen, Traumbilder, groteske Situationen, grundsätzliches Nichtverstehen.
Charakterisierung von Tschanz
Tschanz wird als höflicher (S.22) manchmal auch ungeduldiger (S.78) Mann beschrieben. Er fährt gern schnell Auto, zum Entsetzen von Bärlach (S.26). Eine weitere Eigenschaft ist, daß er vorsichtig (S.96) aber auch durchaus eifrig (S.31) ist.
Obwohl er oft als naiv und dumm dargestellt wird, beweist er auch Mut (S.33 und S.35).
Aber er hat auch nicht sehr viel Selbstvertrauen, sonst würde er Schmied nicht kopieren, er hätte sich so akzeptieren müssen wie er ist.
Motive für den Mord an Schmied
Schmied besaß alle Eigenschaften, die Tschanz nicht hat:
-die Bewunderung der Kollegen(S.19)
-wohlhabende Eltern(S.26)
-eine gute Bildung/Studienabschluß(S.26
-ein schönes Auto
-eine hübsche Verlobte
Tschanz haßt und bewundert Schmied gleichzeitig. Doch schließlich wird seine Eifersucht zum endgültigen Mordmotiv. Denn nach dem Mord schlüpft Tschanz mehr und mehr in die Rolle von Schmied. Er kleidet sich wie er (S.18 "Tschanz trug den gleichen Mantel wie Schmied und einen ähnlichen Filzhut") und kaufte sich Schmieds Mercedes nach dessen Tod (S.75). Schließlich läßt er sich von Anna versprechen seine Frau zu werden (S.102).Als Tschanz diese drei Dinge besitzt ist er Schmied schon sehr ähnlich bis auf den Studienabschluß und die Anerkennung der Kollegen natürlich.
Tschanz wird von Bärlach entlarvt
Bärlach entlarvt Tschanz bei dem Abendessen zu dem er Tschanz einlädt, dort spielt er ihm vor gesund zu sein, dadurch wird Tschanz nervös und begreift, daß er in der Falle sitzt(S.112) und, daß Bärlach schon die ganze Zeit wußte, daß er der Mörder war. Bärlachs erster Beweis ist die Kugel aus Gastmanns Hund auf den Tschanz geschossen hatte um Bärlach zu retten (S.113), sie war identisch mit der Kugel aus Schmieds Kopf. Bärlach findet auch durch ein Telefongespräch heraus, daß Tschanz ihn belogen hat als er ihm erzählte Schmied sei mit seinem "blauen Charon" über Ins nach Ligerz gefahren (S.113). Doch Bärlach erklärt ihm auch, daß er nur durch seine Eifersucht zum Mörder wurde und er sich eigentlich selber verraten hat, als er mehr undmehr in Schmieds Rolle schlüpfte (S.113 und S.114).Doch durch sein Verhalten hat sich Tschanz eigentlich selber überführt (S.114 "Du hast es mir doch selber erzählt"). Tschanz versucht sich zwar noch zu rechtfertigen, doch Bärlach stellt alles richtig (S.112).
Wie wird Tschanz zum Henker?
Schmied war Bärlachs letzte Hoffnung Gastmann zu stellen, doch als dieser getötet wird macht der Alte Schmieds Mörder zum "Henker"(S.116). Bärlach benutzt Tschanz wie eine "Schachfigur" um Gastmann zu töten. Doch das begreift er erst bei dem Abendessen in Bärlachs Haus (S.116). Somit wird Bärlach zum Richter und Tschanz zum Henker. Nur um sich an Gastmann zu rächen macht Bärlach skrupellos Tschanz, der eigentlich nicht am Streit zwischen dem Alten und Gastmann beteiligt ist zu seinem Werkzeug und läßt ihn seinen größten Feind töten und macht ihn dabei zum Mörder.
Tschanz vollstreckt Bärlachs Urteil
Ohne zu wissen, daß er von Bärlach benutzt wurde, geht er zu Gastmann um ihn zu verhaften, doch als einer von Gastmanns Diener auf ihn schießt tötet er Gastmann und seine Diener (S.104-105).So vollendet er völlig unbewußt Bärlachs Rachefeldzug für den eigentlich Schmied vorgesehen war.
Tschanz begeht Selbstmord
Am Ende des Buches begeht Tschanz Selbstmord, weil er wahrscheinlich nicht verkraften konnte, daß er von Bärlach von Anfang an nur benutzt wurde um Gastmann zu töten, er wurde nie von Bärlach ernst genommen. Wahrscheinlich ist er auch verzweifelt, da Bärlach ihm seinen für ihn perfekten Mord nachgewiesen hat (S.118 "Tschanz sei zwischen Ligerz und Twann unter seinem vom Zug erfaßten Wagen tot aufgefunden worden,…").
Brecht – Der gute Mensch von Sezuan
Der Autor: Bertolt Brecht (1898-1956)
10.2.1898 Bertolt wird in Augsburg als Sohn eines Fabrikdirektors geboren. 1917 : Abitur. Danach studiert er Philosophie und fängt ein Medizinstudium in München an. Kurz darauf wird er eingezogen und dient als Mitglied des Augsburger Soldatenkreises. 1919-1923 : Brecht schliesst sein Studium ab und wird Dramaturg und Regisseur in München. Er ist erbitterter Kriegsgegner und schreibt auch entsprechende Stücke1928 heiratet er Helene Weigel.1933 flieht Brecht auf Grund seiner politischen Ansichten vor dem Naziregime in die USA 1947 kehrt er nach Europa (Schweiz) zurück 1948 übersiedelt er nach Ostberlin. 1949 gründet er hier mit seiner Frau das Berliner Esemble (Experimentierbühne). Mit seinen Inszenierungen gelangt er zu Weltruhm.14.8.1956 Brecht stirbt in Berlin
DER GUTE MENSCH VON SEZUAN (1942)Im Mittelpunkt des Buches steht die Frage:„Ist es möglich, auf dieser Welt ein guter Mensch zu sein“ ?Shen Te, eine arme Prostituierte, muss sich diese Frage stellen, als sie merkt, dass Ihre Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft hochgradig ausgenutzt werden und sie beginnt einzusehen, dass man ein gewisses Mass an Egoismus and den Tag legen muss, wenn man nicht selbst verhungern oder auf der Strasse landen will.InhaltsangabeIm Städtchen Sezuan treffen drei Götter ein, die die Existenz der göttlichen Gebote zu rechtfertigen versuchen. Sie suchen nach einem guten Menschen, der nach diesen Geboten lebt. Bereits auf der Suche nach einem Nachtquartier merken sie jedoch, dass dies nicht leicht wird – lediglich die Prostituierte Shen Te nimmt sie auf. Aus diesem Grund muss sie jedoch einem Freier absagen und kann folglich ihre Miete nicht zahlen. Die Götter schenken Shen Te zum Abschied Geld , um ihre Dankbarkeit zu zeigen. Shen Te investiert das Geld in einen Tabakladen. Noch ehe das Geschäft aufzublühen vermag, stürzt es Shen Te auch schon wieder in den Ruin, da sie ihr Geld verleiht und alte Bekannte und Bedürftige bei sich aufnimmt. So greift Shen Te schließlich zu einer List. Sie maskiert sich und spielt einen Mann, der ihren imaginären Vetter Shui Ta darstellen soll, der das Geschäft übernimmt. Durch seine Härte und Verschlagenheit erhält Shen Te’s „zweites ich“ den Tabakladen am Leben. Erst als die Hausbesitzerin die Halbjahresmiete im Voraus verlangt, sieht Shen Te keine Rettung aus der finanziellen Misere.Durch Zufall lernt sie einen mittel- und arbeitslosen Flieger namens Sun kennen, der gerade dabei ist, sich das Leben zu nehmen. Shen Te bewahrt ihn vor dem Tode und gibt ihm wieder Hoffnung. Ein Teppichhändler leiht Shen Te 200 Silberdollar für die Miete. Doch Shen Te gibt sie ihrem Geliebten Sun, der sich mit 500 Dollar einen Arbeitsplatz als Flieger erkaufen könnte. Sun verspricht ihr, mit ihr nach Peking zu reisen und sie zu heiraten. Hierzu fehlen jedoch noch 300 Silberdollar. Shen Te tritt wieder als Shui Ta auf, denn, um an das Geld zu kommen, will sie – bzw er – den Laden verkaufen. Als Shui Ta mit Sun, dem Fliger, redet, gibt dieser zu, dass er, sobald er das Geld erhalten habe, ohne die unvernünftige Shen Te nach Peking reisen werde. Trotz dieser Aussage, die Shen Te als nicht ernstzunehmende typisch männliche Prahlerei abtut, glaubt sie noch immer an Suns Liebe. Schliesslich erwartet sie ein Kind von ihm, was er jedoch noch nicht weiß. Erst bei den Vorbereitungen zur Hochzeit erkennt sie seinen schlechten Charakter und läßt die Hochzeit platzen. Die 200 Silberdollar erhält sie von Sun auch nicht zurück. Um das geliehene Geld an den Teppichhändler zurückzahlen zu können, bleibt wieder einmal nur die Möglichkeit, den Laden zu verkaufen. Also muss Shui Ta einspringen. Durch eine listige Aktion des verkleideten Vetters Shui Ta wird auch diesmal der Verkauf verhindert und Shui Ta wird zum Leiter einer Tabakfabrik. In dieser Position gibt Shui Ta dem verhinderten Flieger Sun die Möglichkeit, die von ihm erschlichenen 200 Silberdollar abzuarbeiten. Somit können nun endlich die 200 Silberdollar an den Teppichhändler zurückgezahlt werden, der aber durch die verspätete Rückzahlung seine Existenz verloren hat. Was ursprünglich nur eine Notlösung war, nämlich die Umwandlung von der gütigen, hilfsbereiten Shen Te zum harten Shui Ta, der auch bereit ist, seine Ellenbogen zu benützen, wird nun zum Dauerzustand: Shen Te tritt immer mehr in den Hintergrund, bis sie verschwunden ist. Inzwischen ist ihre Persönlichkeit total gespalten. Es tauchen Gerüchte auf, dass Shui Ta seine ,,Cousine" ermordet haben soll. ,,Er" muß vor Gericht, wo die 3 Götter als Richter fungieren… kann Shen Te ihre Verwandlungen in Shui Ta rechtfertigen? Wie gut kann ein Mensch sein, ohne ausgenutzt zu werden?
Angaben zum Autor – Jurek Becker
Jurek Becker, geboren am 30. September 1937 in Lodz (dies ein nach dem Krieg ein “angenommenes“ Datum, da die amtlichen Dokumente im Krieg vernichtet worden sind).Er ist der Sohn eines aus Litauen stammenden Angestellten und einer Polin. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wird die Familie ins Ghetto “Lizmannstadt“ um gesiedelt; ab 1943 wächst er in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen auf, seine Mutter kommt im KZ um. Nach der Befreiung 1945 zieht er mit seinem wiedergefundenen Vater nach Berlin, wo er Deutsch lernt und zur Schule geht. 1955 Abitur. 1957 – 60 Studium der Philosophie an der Humboldt – Universität Berlin; kurz vor dem Examen wird er wegen “Umtrieben“ relegiert. Ab 1960 lebt er als freischaffender Schriftsteller in Ost – Berlin. Er schreibt Texte für das Kabarett “Die Distel“. Ab 1961 arbeitet er für Film und Fernsehen wo er bis 1994, sowie in der DDR als auch in der BRD (ab Ende 1977) tätig sein sollte. Jurek Becker, dessen erster Ehe die Söhne Nikolaus (geb.1962) und Leonard (geb.1965) entstammen, lebt zuletzt mit seiner zweiten Frau Christine in Berlin – Kreuzberg. Ihr gemeinsamer Sohn wird 1990 geboren. Jurek Becker stirbt am 14. März 1997 in Paris an Krebs.
Seine Werke: “Komm mit mir nach Montevideo“(1962)
“Gäste im Haus “(1963)
“Zu viele Kreuze“(1964)
“Jakob der Lügner“(1969; 1974 und 1999 verfilmt)
“Irreführung der Behörden“(1973)
“Der Boxer“(1976)
“Bornsteins Kinder“(1986; 1991 verfilmt)
“Amanda herzlos“(1992)
In diesen tragisch – ironischen Romanen thematisierte Jurek Becker die Nachwirkungen der Judenverfolgung und Lebensprobleme in der DDR!
Auszeichnungen:
1971 Heinrich – Mann – Preis.
1971 Charles – Veillon – Preis.
1974 Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen.
1975 Nationalpreis II. Klasse für JAKOB DER LÜGNER im Kollektiv.
1975 Academy Awards: Oscar – Nominierung (Bester ausländischer Film) für JAKOB DER LÜGNER
1986 Adolf – Grimme – Preis in Gold(Unterhaltung) für LIEBLING – KREUZBERG: DER BESCHÜTZER
1986 Goldener Gong der Zeitschrift Gong für LIEBLING – KREUZBERG.
1988 Adolf – Grimme – Preis in Silber für LIEBLING – KRUZBERG.
1988 TeleStar
1989 Preis des deutschen Anwaltvereins(Kategorie Fernsehen) für LIEBLING – KREUZBERG:
TASCHENPFÄNDUNG.
1990 Hans Fallada – Preis der Stadt Neumünster für das Gesamtwerk
Kurzer Inhalt des Werkes:
Dieser Roman erzählt die Situation der Juden in einem Ghetto im zweiten Weltkrieg. Es erzählt die Geschichte von Jakob Heym und seinen Ghettofreunden. Durch Zufall hört Jakob Heym im deutschen Polizeirevier aus dem Radio eine Nachricht, wonach die russische Armee die Deutschen bis zwanzig Kilometer vor Bezanika zurückgeschlagen haben. Er kennt den Ort nur vom Hören, weiß jedoch, dass er nicht unendlich weit, vielleicht vierhundert Kilometer entfernt ist. Er begreift, dass diese Nachricht eine Hoffnung enthält. Um die Glaubwürdigkeit seiner Information zu unterstreichen, behauptet Jakob, dass er ein Radio besitzt, was jedoch strengstens verboten ist. Durch diese Notlüge bringt sich Jakob in eine Zwangslage, ständig neue Nachrichten erfinden zu müssen, denn die Ghettobewohner beginnen wieder Zukunftspläne zu schmieden, auch die Selbstmordrate geht rasant zurück. Doch neben all diesen Befürwortern finden sich schnell Gegner. Denn die Entdeckung des Radios, durch die Deutschen, könnte der Tod aller Juden im Ghetto sein! Während dessen lässt Jakob durch weitere Lügen, die Russen immer näher herankommen, bis die Lügen sein Einfallsvermögen voll und ganz ausgeschöpft haben. Er lässt das Radio kaputt gehen, doch nach einer Zeit bemerkt er dass die Menschen ohne das Radio nicht leben können! Er lässt sich auf weitere Lügen ein. Aber auch diese Zeitperiode ist nicht von langer Dauer, denn Jakob erleidet einen Schwächeanfall. Grund der Druck auf Jakob immer wieder neue Geschichten zu erfinden. Während der Erholungszeit wird Jakob von Kowalski besucht. Jakob erzählt ihm die Wahrheit über das Radio, dieser nimmt die Nachricht ziemlich ruhig auf, doch in der gleichen Nacht begeht Kowalski Selbstmord. Jakob muss trotz all diesen Vorkommnissen weiter lügen, aber diese Einsicht kommt zu spät. Denn in der nächsten Zeit werden alle Ghettobewohner in ein Konzentrationslager deportiert und damit in den Tod gebracht.
Hauptpersonen
Ich-Erzähler
Hat eine Vorliebe für Bäume, da er mit Bäumen sehr viel Erinnerungen verknüpfen kann(z.B. Armbruch, weil er vom Baum gefallen ist; seine Frau wurde unter einem Baum von den Nazis erschossen!). Als einziger Überlebender dieser Geschichte. Will nicht bemitleidet werden, wenn er die Geschichte von Jakob und seinen Lügen erzählt.
Jakob Heym
Klein und schmächtig. Ein Ehemaliger Eisladenbesitzer. War zur falschen Zeit am falschen Ort. Hörte durch Zufall eine Nachricht, die aber sehr ungläubig klingt. So muss er eine Notlüge als Alternative bringen. Jakob Heym lügt und gibt somit den Ghettobewohnern wieder Lebenshoffnung, steigert sich aber auch automatisch in weitere Unannehmlichkeiten.
Mischa
Groß und stark. Mischa ist die erste Person die von der guten Nachricht, eigentlich nur um ihm das Leben zu retten, erfährt. Diese wird dann von ihm auch weiter verbreitet.
Kowalski
Ehemaliger Friseurladenbesitzer. Einst ein guter Freund von Jakob, der ihn seit der Bekanntmachung dass, Jakob ein Radio besitzt, immer um Informationen bittet. Kowalski ist der Einzige der Jakob so extrem nervt. Doch eines Tages rettet Kowalski, Jakob, durch eine waghalsige Aktion, das Leben.
Rosa Frankfurter
Freundin und zukünftige Frau von Mischa.
Herr und Frau Frankfurter
Eltern von Rosa. Sind zuerst gegen die Heirat von Mischa und Rosa, doch Mischa erwähnt das mit Jakob und seinem Radio. Herr Frankfurter ist ein Gegner des Radios, da es zu gefährlich ist. Denn er besitzt selber ein Radio, welches er dann zerstört. Seine Frau ist bestürzt, da sie davon nichts gewusst hat.
Lina
Ein acht Jahre altes hübsches Mädchen. Lebt seit der Deportation ihrer Eltern bei Jakob. Sie macht das Leben des Jakob Heym wieder lebensfroh und macht ihm somit das Leben als Betrüger etwas erträglicher.
Herschel und Roman Schtamm
Sie sind Zwillingsbrüder. Herschel ist der fromme von den Beiden. Er trägt eine Mütze, so versteckt er seine Judenlöckchen. Herschel ist auch ein Gegner des Radios, er betet jeden Abend zu Gott dass, das Radio kaputt geht. Eines Tages wird Herschel von einem Nazisoldaten erschossen. Sein Bruder meint dass, Jakob dies verhindern hätte können und gibt ihm die Schuld an Herschels Tod.
Prof. Kirschbaum
Ehemaliger angesehener Professor. Heilt Lina als sie Keuchhusten hat. Eines Tages wird er von zwei Nazis abgeholt, er soll Hardtloff (einen Kommendanten) wieder heilen. Doch dazu kommt es nicht. Kirschbaum schluckt während der Autofahrt eine Giftpille und stirbt. Kurze Zeit später stirbt der Kommandant auch! Kirschbaums Schwester wird daraufhin zur Vergeltung von den Nazis abgeholt.
Buchvorstellung
Literat: Friedrich Dürrenmatt
Werk: Der Richter und sein Henker
Biografie des Autors
Friedrich Dürrenmatt, der Sohn des Pfarrers Reinhold D. und dessen Ehefrau Hulda, geborene Zimmermann, wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen bei Bern geboren. Er besuchte bis 1935 die Sekundarschule in Großhöchstetten, danach das freie Gymnasium und das Humboldtianum in Bern. Nach der Matura studierte er Philosophie in Zürich und Bern. 1945 erschien seine erste Publikation "Der Alte". Ein Jahr später heiratete er die Schauspielerin Lotti Geissler. Sein Sohn Peter kam im nächsten Jahr zur Welt, seine Töchter Barbara und Ruth 1949 beziehungsweise 1951. 1948 zog er nach Ligerz am Bielersee. "Der Richter und sein Henker" erschien 1950 in Fortsetzungen für die Zeitschrift "Der Schweizerische Beobachter". Im folgenden Jahr erschien dann "Der Verdacht". 1952 zog er nach Neuchâtel in sein eigenes Haus. 1959 erhielt er in Mannheim den Schillerpreis und 1974 eine Ehrenprofessur des Staates Israel. 1978 kam Maximilian Schells Verfilmung von "Der Richter und sein Henker" in die Kinos. Dürrenmatts Frau starb im Januar 1983. Ein Jahr später heiratete er die Filmemacherin, Schauspielerin und Journalistin Charlotte Kerr. Ein interessantes Detail aus dem gleichen Jahr: Er benutzte die Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille dazu, Zuckmayers Werke für "Scheiße" zu halten. Friedrich Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 in seinem Haus in Neuchâtel an einem Herzinfarkt. Seinen literarischen Nachlass hat er der Eidgenossenschaft zur Bildung eines "Schweizer Literaturarchivs" geschenkt.
Zum Werk
Die Geschichte spielt in der Schweiz des späten 20. Jahrhunderts. Zwei Kommissäre mit konträren Charakterzügen und Meinungen über moderne Verbrechensbekämpfungsmethoden versuchen einen Mordfall zu lösen. Dabei fällt auf, dass sich Kommissär Bärlach, mit seinen neuen Erkenntnissen den Fall betreffend, allen anderen gegenüber still verhält. Fast so, als hätte er etwas zu verbergen.
Das Werk weist viele Parallelen zum Werk „Der Verdacht“ auf. Das umfasst Personen, Ort und Zeit. Selbst die Krankheit, die Bärlachs wirken in „Der Verdacht“ unter Druck setzte, ist in diesem Werk wieder gebraucht.
Gattung des Werkes
Bei diesem in 21 Kapitel gegliederten Kriminalroman handelt es sich um epische Prosa des späten 20. Jahrhunderts.
Nähere Angabe
Dürrenmatt erzählt diese Komödie aus der Sicht eines auktorialen Erzählers. Der Roman besitzt die für einen Kriminalroman typischen Verworrenheiten. Dem Leser werden im Vorhinein logische Thesen zur Lösung des „Mordes“ aufgedrängt, welche sich aber gegen Ende des Romans als falsch herausstellen. Erst in den letzten Seiten findet sich die Aufklärung des Mordfalles.
Literat- Werk Beziehung
Die Geburt seiner Kinder und seine eben aufgetretene Zuckerkrankheit bringen Dürrenmatt in finanzielle Not. So beginnt er, beobachtet von den Kritikern, welche diesen Wechsel als Abstieg bezeichnen, sich mit Kriminalromanen und Detektivgeschichten zu befassen.
Zitat seiner Schwester in einem Interview: „Er versucht die finanzielle Not wegzuschreiben.“
Inhaltsangabe
Ein Polizist findet am Morgen des 3. November 1948 an einer Straße einen Erschossenen. Es handelt sich um Ulrich Schmied, einen Berner Polizeibeamten. Der Polizist informiert den Vorgesetzten des Toten, Kommissär Bärlach. Daraufhin spricht Bärlach mit seinem direkten Vorgesetzten, Dr. Lutz, und gibt diesem zu verstehen, dass er bereits einen Verdacht hat. Wegen seiner Krankheit bittet er Lutz ihm den Kriminalbeamten Tschanz als Hilfe zur Seite zu stellen. Nun begibt Bärlach sich zum Tatort, wo er durch Zufall eine Revolverkugel findet. Aufgrund der Umstände am Tatort folgert Tschanz später, dass Schmied den Mörder gekannt haben muss.
Anhand Schmieds Kleidung und einem "G" in dessen Notizbuch hofft er mehr über den Fall herauszufinden.
Am Abend treten Tschanz und Bärlach eine Autofahrt an, wie sie Schmied getätigt haben könnte. Ein Tankwart, der sich an Schmieds Auto erinnert, bestätigt deren richtige Spur. Sie kommen nach Laboing zu Gastmanns Haus.
Beide untersuchen die Umgebung des Hauses. Dabei wird Bärlach von einem Hund angegriffen, den Tschanz aber mit einem Schuss aus seinem Revolver tötet. Anschließend erfahren sie noch, dass Gastmann ein wohlhabender Nichtstuer ist.
Schmieds Beerdigung wird von Betrunkenen gestört. Es sind Gastmanns Diener, die eine Warnung an Bärlach überbringen. Dieser wird zu Hause bereits von Gastmann erwartet. Die beiden verbindet eine Jahrzehnte zurückliegende Wette. Um Gastmann zu überführen, lässt sich Bärlach eine Woche Krankheitsurlaub geben. So kann er auf eigene Faust arbeiten. Er erfährt von seinem Arzt, dass er nur noch ein Jahr zu leben habe. Aber das auch nur dann, wenn er sich innerhalb der nächsten drei Tage operieren lässt.
In der Nacht muss er auch noch einen Kampf gegen einen Eindringling in seinem Haus bestehen. Tags darauf trifft Gastmann den Kommissär Bärlach um ihm zu drohen. Bärlach droht Gastmann ebenfalls und sagt, dass der vorgesehene Henker ihn noch am gleichen Tag töten werde.
Tschanz fährt am Abend zu Gastmann und begreift, dass er selbst der Henker ist. Bei einem Schusswechsel erschießt er Gastmann.
Bei der Untersuchung geht man davon aus, dass Schmied aus Karrieregründen auf eigene Faust gegen Gastmann ermittelt hatte, und Gastmann ihn beseitigen ließ.
Bärlach lädt Tschanz zum Abendessen ein, um den Sieg gegen Gastmann zu feiern. Tschanz stellt dabei fest, dass er Bärlach in die Falle gegangen ist. Bärlach weiß alles über seinen Mord an Schmied und hat Tschanz zum Erreichen seines Zieles als Henker verwendet. Bärlach lässt den Mörder Tschanz aber trotz allem gehen. Sein Amt als Richter ist beendet. Tschanz wird am nächsten Tag ,vom Zug überfahren, tot aufgefunden.
Bärlach ist nun für seine lebensverlängernde Operation bereit.
Charakteristik der Hauptpersonen
Kommissär Bärlach: Ein todkranker Kommissär der Berner Polizei. Er hat, wenn er sich einer gewissen Operation unterzieht, noch ungefähr ein Jahr zu leben. Er ist ein Kommissar der alten Schule, von altem Schrot und Korn. Ein konservativer Mensch, der von den modernen Techniken der Kriminologie wenig hält.
Tschanz: Er ist der Mörder, der Polizist und der Henker in einer Person. Tschanz vollzieht während des Romans eine Verwandlung. Er schlüpft nach und nach in die Rolle seines Opfers. Er kleidet sich wie dieser, kauft dessen Auto, und überredet seine Freundin, sich nun mit ihm zu verloben. Er erhofft sich, den Aufstieg schneller zu schaffen, indem er nicht nur das Hindernis Schmied beseitigt, sondern dessen Vorarbeit als Anfangsguthaben übernimmt.
Gastmann: Er ist Bärlachs Gegenspieler. Er ist eine Person voller Geheimnisse für seine Mitmenschen, mit Ausnahme von Bärlach. Die meisten halten ihn für einen überaus großzügigen Menschen. Vor allem die Bewohner von Laboing, da er ihre Steuern für sie zahlt. Er pflegt internationale Beziehungen die für ihn von großer Wichtigkeit sind. Sie bieten ihm immer wieder diplomatischen Schutz.
Schmied: Er kommt in diesem Roman von Anfang an nur als Leiche vor. Schmied war gut gebildet und hatte eine hübsche Frau. Auch kam er in Beruf und Leben gut voran und war bei seinen Kollegen beliebt. Das brachte ihm den Neid eines Kollegen ein, was ihm später auch das Leben kostete.
Weitere Werke
Der Verdacht
Die Panne
Das Versprechen
Die Justiz
Durcheinandertal
Der Auftrag oder vom Beobachten des Beobachters der Beobachter
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